Gesellschaft für Artilleriekunde

Idar-Oberstein

 

Von ihrer Aufstellung bis 2013 verfügte die Artillerieschule über ein eigenes Organisationselement zur Weiterentwicklung der Truppengattung. Aufgestellt als Spezialstab ATP (Auswertung, Technik, Prüfungen), später Spezialstab ATV (Auswertung, Truppenversuche, Vorschriften), zuletzt Gruppe/Bereich Weiterentwicklung mit u.a. folgenden Arbeitsfeldern: Konzeption, Grundlagen, Dienstvorschriften, Ausrüstung, Ausbildung, Organisation, GeoInfoWesen etc. Noch vor 10 Jahren dienten 75 Soldaten und 4 Zivilbeschäftigte bei „WE“. Die umfangreichen Aufgaben des ehemaligen Bereichs Weiterentwicklung werden heute durch das Amt für Heeresentwicklung in Köln wahrgenommen. Hier vor Ort ist nach Außerdienststellung des Bereichs noch das ehemalige Dezernat 4, Softwarepflege und Änderung, disloziert.

Nicht unerwähnt bleiben sollen einige Organisationselemente der Artillerieschule, die bereits außer Dienst gestellt wurden bzw. nach Einnahme der Zielstruktur nicht mehr Teil des Ausbildungsbereichs sein werden: Offizieranwärterbataillon Idar-Oberstein, Rekrutenkompanie 3, Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung Betreuungsstelle, Inspektion Allgemeine Grundausbildung sowie die Inspektion Sprachausbildung Offizieranwärter/das Dezernat S8 des Bundessprachenamtes. Über Jahrzehnte war die Artillerieschule auch Ausbildungsstätte der Topographietruppe. Auch als diese aus der Artillerietruppe ausgegliedert wurde und als eigenständige Truppengattung den „Führungsunterstützungstruppen“ zugeordnet wurden, blieben die Topographen zunächst in Idar-Oberstein. Eine Topographielehrbatterie unterstützte den Lehrbetrieb darüber hinaus im praktischen Ausbildungsbetrieb. Im Jahr 2002 endete die Geschichte der eigenständigen Truppengattung Topographietruppe. Sie ist nun Teil des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr und zur Streitkräftebasis zugehörig.

Ein Versuch, die einzelnen Umgliederungen und Strukturen der Artillerieschule im Laufe der vergangenen 58 Jahre nachzuvollziehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Um den jüngeren Leserinnen und Lesern aber einen Eindruck vom einstmaligen Umfang des Lehrbetriebes zu vermitteln, genügt es, die Zeit um dreißig Jahre zurückzudrehen, also in die 1980er Jahre, kurz vor Einnahme der „Artilleriestruktur 85“, die der „Heeresstruktur 4“ folgte. Die Artillerietruppe umfasste zu dieser Zeit 12 Regimenter, 83 Bataillone sowie 14 selbständige Batterien. In der Truppengattung, ausgestattet u.a. mit ca. 1100 Geschützen und 400 Raketenwerfern, dienten rund 42.000 Soldaten. Der Bereich Lehre/Ausbildung (heutiger Begriff) der Artillerieschule gliederte sich in 4 Lehrgruppen mit 16 Inspektionen und 50(!) Hörsälen und Ausbildungszügen. Zählt man zum aufgeführten Lehrbetrieb noch die Übungstätigkeit der Lehrtruppe (ArtLehrRgt 5 und unterstellte Verbände und Einheiten) sowie der ständig in Baumholder/Idar-Oberstein stationierten U.S. Panzerbrigade hinzu, kann jedermann nachvollziehen, dass in der Region nahezu rund um die Uhr Ausbildungsbetrieb herrschte.

Selbstverständlich wurden und werden an einer der bedeutendsten Ausbildungseinrichtung des Heeres vielfältige Verbindungen im In- und Ausland gepflegt. Verbindungsoffiziere aus den USA, Großbritannien und Frankreich waren noch bis vor einigen Jahren an der Artillerieschule eingesetzt. (Die von ihnen ausgerichteten „Blau-Weiß-Rot-Empfänge“ sind Legende.) Heute sind Verbindungsoffizier und Ausbildungsinspektion der Niederländischen Artillerie in Idar-Oberstein beheimatet.

Einige dieser besonderen Beziehungen wurden durch Patenschaften bekräftigt. Seit 20 Jahren besteht eine Patenschaft zur französischen Artillerieschule in Draguignan. Nicht zu vergessen unsere amerikanischen Nachbarn. Eine Patenschaft zur U.S. Military Community Baumholder wurde 1974 geschlossen. Am 12.06.1988 wurde das besonders enge Verhältnis zwischen Garnisonsstadt und Artillerieschule durch die Übernahme einer Patenschaft gekrönt.

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