Gesellschaft für Artilleriekunde

Idar-Oberstein

 

Mit Übernahme der Kaserne und Umzug des Lehrbetriebes ab September 1967 konnten nun endlich Ausbildungsstätten und Lehrgangsteilnehmer adäquat untergebracht werden (z.B. vier Fähnriche pro Stube). Die Artillerieschule räumte die Klotzberg-Kaserne für die Lehrtruppe. Mit Verlegung des Feldartillerielehrbataillons 310, jetzt Panzerartillerielehrbataillon 345, nach Kusel entspannte sich die Infrastruktursituation weiter. Der Lehrgangsbetrieb in Idar-Oberstein lief „auf höchsten Touren“. Rund 20 Jahre nach Indienststellung konnte am 18.03.1977 der 75.000. Lehrgangsteilnehmer an der Artillerieschule begrüßt werden, drei Jahre später waren es bereits 100.000. Mitte der 1980er Jahre dienten in Idar-Oberstein (einschließlich Lehrgangsteilnehmern) ständig rund 4000 Soldaten. Die Inspektionsfeldwebel achteten zu dieser Zeit peinlichst genau darauf, dass Teilnehmer, die an einem Lehrgang über drei Monaten Dauer teilnahmen, ihrer Meldepflicht folgten und ihren ersten Wohnsitz in Idar-Oberstein anmeldeten. Eine Maßnahme, die unserer Garnisonsstadt einen stetigen Einwohnerzuwachs bescherte. Die Truppe in der Region selbst konnte den Bedarf  an qualifizierten Ausbildern an der Artillerieschule nicht mehr decken. Im gesamten Bundesgebiet wurden Soldaten auf Zeit, die die Umwandlung des Dienstverhältnisses zum Berufssoldaten beantragt hatten, oftmals nur im Zuge einer Versetzung an die Artillerieschule zum BS ernannt. Viele, die so nach Idar-Oberstein kommen „mussten“, blieben später freiwillig für immer.

 Nicht jedermann dürfte heute bekannt sein, dass ca. 15 Jahre lang zwei Artillerieschulen im Heer existierten. Nach Aufstellung der Raketenartillerie wurde 1958 eine Lehrgruppe (mit drei Inspektionen) nach Eschweiler abgesetzt. Diese fusionierte mit Teilen der Schule Technische Truppen ab 1965 zur neuen Raketenschule des Heeres. 1969 wurde diese Schule nach Geilenkirchen verlegt und 1973 in Raketenschule der Artillerie umbenannt. Bereits vier Jahre später wurden die Bemühungen der Artillerietruppe, beide Schulen in Idar-Oberstein zusammenzuführen, durch den Inspekteur des Heeres gebilligt. Doch vor der Aufnahme der Raketenartilleristen mussten in der neuen Rilchenbergkaserne weitere Unterkunftsgebäude errichtet werden. Mit Verlegung der Raketenschule nach Idar-Oberstein und Eingliederung als Lehrgruppe B im Jahr 1981 wurden schließlich beide Schulen unter einem Dach vereint.

 

Ohne alle möglichen Gliederungen der Artillerieschule seit ihrer Aufstellung 1956 aufführen zu können, sollen die wesentlichen Organisationselemente in der gebotenen Kürze vorgestellt werden:

Die Artillerieschule wird durch den Kommandeur geführt. Hinter dieser Binse verbirgt sich die Tatsache, dass dieser Dienstposten erst 1995 mit dem des Generals der Artillerietruppe fusionierte. Vor 1995 war der General der Artillerie Angehöriger des Heeresamtes. (Hinweis: Bis zu ihrer Auflösung Anfang der 1990er Jahre verfügte unsere Truppengattung über drei Korpsartilleriekommandos, die in den 1980er Jahren jeweils durch einen Brigadegeneral geführt wurden. Zählt man den General Kampfunterstützungstruppen im Heeresamt hinzu dienten in der Artillerietruppe gleichzeitig 5 bis 6 Generale). Seit Aufstellung der Artillerieschule wird der Kommandeur durch einen Schulstab (ehemals Kommandostab) unterstützt. Dieser verfügte immer über die „klassischen“ Stabsabteilungen S1-S4, Technik, sowie noch in den 1990er Jahren über eine eigene Truppenverwaltung und den unterstellten Sanitätsbereich. Als Besonderheiten eines Stabes einer Truppenschule seien hier nur der Sprachmittlerdienst sowie eine wechselnde Anzahl ausländischer Verbindungsoffiziere aufgeführt. Zeitweilig gehörte auch der „Truppenfachlehrerstab“ zum Schulstab.

Nichts geht ohne den Unterstützungsbereich. Einstmals deutlich über Bataillonsstärke die Personal- und Materialausstattung betreffend, leisten die Angehörigen des Bereichs Unterstützung in allen Bereichen der Truppenschule ihren Dienst. Noch in den 1990er Jahren verfügte die „Ausbildungsunterstützung“ über einen Personalkörper von rund 600 Soldaten und zivilen Mitarbeitern, die u.a. einen Fuhrpark von rund 400 Fahrzeugen und Hauptwaffensystemen zu betreuen hatten. In den Werkstätten der Artillerieschule wurden bis zu 45 Lehrlinge gleichzeitig ausgebildet. Wesentliche Bereiche waren bzw. sind neben der Führungsgruppe die Materialverwaltung, -bewirtschaftung, Materialerhalt, das Fachmedienzentrum sowie das Stabsquartier.

 

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