Gesellschaft für Artilleriekunde

Idar-Oberstein

 

 Die Artillerieschule

 

Der Umfang der Artillerie der Wehrmacht (rund 600 Artillerieregimenter und Abteilungen mit ca. 450.000 Soldaten) sowie eine immer weiter fortschreitende Spezialisierung erforderten im 2. Weltkrieg die Aufstellung diverser Artillerieschulen. Neben den klassischen (Rohr-) Artillerieschulen betrieb die Wehrmacht Gebirgs- und Heeres-Küstenartillerieschulen, Sturmgeschütz-, Nebelwerfer- sowie Flak-Artillerieschulen an verschiedensten Standorten im In- und Ausland. Wie bereits ausgeführt, kam 1955, nach der Teilung Europas, eine Neuaufstellung der Artillerieschule an einem Standort einer ehemaligen Artillerieschule der Wehrmacht nicht in Betracht. Jüterbog, Berlin-Lichterfelde, Meißen und Thorn beispielsweise, allesamt Standorte ehemaliger Artillerieschulen, befanden sich nach dem 2. Weltkrieg im kommunistischen Machtbereich.

In Westdeutschland gelegene Garnisonen der ehemaligen Wehrmacht wurden mit Masse durch Verbände und Dienststellen der Alliierten genutzt. So auch Idar-Oberstein, ein ehemaliger Wehrmachtsstandort der Infanterie und Artillerie und Standort der französischen Artillerieschule seit 1945 (Name der Klotzberg-Kaserne zu dieser Zeit: „Quartier Jean D’Arc“). 1952 erfolgte die Rückverlegung der französischen Artillerieschule nach Frankreich, Mourmelon. Das 32eme Regiment d’Artillerie verblieb bis 1957 in Idar-Oberstein. Der benachbarte Truppenübungsplatz Baumholder bot ideale Ausbildungsmöglichkeiten, auch für die Artillerie. Zudem handelte es um eine dünn besiedelte Region, die noch nicht am Wirtschaftswunder partizipierte (Arbeitslosigkeit im Kreis Birkenfeld 1955: über 20%). Man rechnete sicherlich damit, die absehbare Belastung der Bevölkerung durch Ausbildungsbetrieb und Schießlärm, durch die mit der Zustationierung einhergehenden wirtschaftlichen Belebung „aufzuwiegen“. Und so geschah es. Knapp 30 Jahre später waren etwa 20% der Erwerbstätigen im Landkreis Birkenfeld in der öffentlichen Verwaltung – rund die Hälfte davon bei den Streitkräften – beschäftigt.

Doch zurück zu den Anfängen. Bei Aufstellung der Bundeswehr war zunächst nur die Einrichtung einer Artillerieschule vorgesehen. Die Indienststellung unserer Artillerieschule vollzog sich kurz gefasst wie folgt: Eintreffen des Vorkommandos in Idar-Oberstein am 26.04.1956. Eintreffen des ersten Schulkommandeurs, Oberst Peslmüller, am 29.06.1956. Drei Tage  später, am 02.07.1956,  begann der erste Einweisungstruppenlehrgang für ehemalige Angehörige der Wehrmacht mit 126 Lehrgangsteilnehmern. Am 06.07.1956 wurde im Rahmen eines feierlichen Appels die offizielle Übernahme der Klotzberg-Kaserne von den Franzosen vollzogen.

 

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