Gesellschaft für Artilleriekunde

Idar-Oberstein

 

 

Doch zurück zu den Anfängen. Bereits am 20.03.1956, also knapp 2 Wochen vor den ersten Soldaten, waren Angehörige der neu aufzustellenden Standortverwaltung vor Ort. Sie bezogen zunächst mangels eigener Liegenschaft Quartier „in einem Amtszimmer im Stadthaus“ und unterstützten von Beginn an den Aufbau der militärischen Dienststellen. Nach mehreren Umzügen und vielen Umstrukturierungen nimmt heute das  Bundeswehrdienstleistungszentrum Idar-Oberstein Aufgaben der Standort- und Truppenverwaltung im Zuständigkeitsbereich wahr. Dieser reicht weit über die Stadtgrenzen hinaus und umfasst auch die Standorte Birkenfeld, Baumholder und Kusel.

Mitte der 1980er Jahre dienten in Idar-Oberstein (einschließlich Lehrgangsteilnehmer und Rekruten) ständig rund 5000 Soldaten, Beamte und zivile Arbeitnehmer der Bundeswehr. Ein Personalumfang, der u.a. die Zuverlegung eines eigenen Feldjägerdienstkommandos erforderlich werden ließ. Es ist klar, dass eine Garnison dieser Größe auch die Garnisonsstadt verändert. Idar-Oberstein wuchs, auch durch immer mehr zuziehende Soldaten(-familien) auf weit über 30.000 Einwohner an. Dringend benötigter Wohnraum führte schon Ende der 1950er Jahre zum Bau der sogenannten Barbara-Siedlung; Sporteinrichtungen (Schwimmbad Kammerwoog) sollten folgen. 1964 wurde der Neubau der beiden Garnisonskirchen mit der Einsegnung der katholischen Kirche Sankt Barbara sowie der evangelischen Johannes-Kirche abgeschlossen. Dazu Gemeindezentrum und Kindergarten, die schon lange nicht mehr nur durch Soldaten genutzt werden. Mit Neubau der Kasernenanlage auf dem Rilchenberg ab 1964 und Verlegung erster Teile in diese Liegenschaft ab 1967 veränderte sich das Gesicht der Stadt weiter. Idar-Oberstein gehörte seit den 1960er Jahren zu den größten Heeres-Standorten. Negative Begleiterscheinungen sollen nicht unerwähnt bleiben. So quälte sich beispielsweise vor dem Bau der Umgehungsstraße nach Baumholder täglich Lehrtruppe mit Rad- und Kettenfahrzeugen auf Einbahnstraßen entlang der Nahe durch die Innenstadt zum Truppenübungsplatz. Ein untragbarer Zustand, an den sich ältere Einwohnern und Soldaten heute noch erinnern. Kaum ein Werktag verging an dem Tag- und Nachtschießen der Artillerie in Baumholder durchgeführt wurden. (Neben den Artillerieverbänden der Bundeswehr waren bis zu drei U.S.-Artillerieverbände in Idar-Oberstein und Baumholder stationiert.) Die Lärmbelastung für die angrenzenden Gemeinden war erheblich. Doch die Bundeswehr war nicht nur einer der größten Arbeitgeber sondern auch zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor in Stadt und Region geworden. Das half, manche Belastungen leichter zu ertragen. Schenkt man darüber hinaus den Unterlagen im Stadtarchiv sowie den militärischen Chroniken Glauben, so war nach dem Weichen anfänglicher Skepsis und trotz mancher Schwierigkeiten das Verhältnis zwischen Garnisonsstadt und Garnison von Beginn an durch ein partnerschaftliches, ja freundschaftliches Miteinander geprägt.

 

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