Gesellschaft für Artilleriekunde

Idar-Oberstein

I d a r - O b e r s t e i n

75 Jahre Ganisonsstadt

Verbände und Einheiten im Standort -Stand: 2016-

Sammlung und Foto: OTL Kleine

>> Verbandsabzeichen

 

Fhj (Fähnr?)Vennemann war einer der ersten Soldaten der Bundeswehr, der mit dem Vorkommando in die Klotzbergkaserne  kam.

 Platz der Deutschen Artillerie in der Artillerieschule

Verfasser: 

Oberstlt Lars Kleine; Vorsitzender der Gesellschaft für Artilleriekunde.e.V.

Keine Stadt ist mit der Artillerie der Bundeswehr enger verbunden als Idar-Oberstein, seit 1956 Standort der deutschen Artillerieschule. Im Jahr 2013 begeht Idar-Oberstein das 75. Jubiläum als Garnisonsstadt. Anlass genug, die wechselvolle Militär- Geschichte dieses Standortes auch denen näher zu bringen, die eventuell nur „auf der Durchreise“ in Idar-Oberstein weilten. Denn in Idar-Oberstein muss man gewesen sein, zumindest jeder, der in der Artillerie als Offizier oder Unteroffizier diente oder noch dient.

Idar-Oberstein, „große kreisangehörige Stadt“ mit ca. 30.000 Einwohnern, an der oberen Nahe im Hunsrück gelegen, blickt mit Teilen auf eine über 1000 jährige Geschichte zurück. Früheste Siedlungsspuren von Kelten und Römern reichen bis in das erste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Heute ist Idar-Oberstein vor allem als „Edelsteinstadt“ bekannt. Nach wie vor ist die Bearbeitung von Edelsteinen und Schmuck sowie deren Handel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region. Darüber hinaus wurde Idar-Oberstein in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der größten Standorte des Heeres ausgebaut. Es müssen in der Tat Hunderttausende gewesen sein, die als Angehörige der Wehrmacht, der französischen und amerikanischen Streitkräfte sowie natürlich der Bundeswehr in den letzten 75 Jahren hier stationiert waren oder hier ausgebildet wurden.

Doch von Anfang an. Eine erste Stationierung bzw. Einquartierung von Truppenteilen erlebte Idar-Oberstein in der Zeit der französischen Besatzung 1795 – 1814 („Franzosenzeit“).

Im deutsch- französischen Krieg 1870/71 zogen erstmals deutsche Soldaten auf ihrem Vormarsch nach Frankreich durch die Stadt. Jedoch gab es auch zu dieser Zeit noch keine militärischen Anlagen und Kasernen im Stadtgebiet. Im Zuge der Besetzung des Rheinlandes durch Alliierte nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1919 wiederum ein französischer Verband in Idar-Oberstein einquartiert. Die Stationierung einer französischen Alpenjägerkompanie („Chasseurs Alpins“) erfolgte in Privatquartieren oder in öffentlichen Gebäuden, wie z. B. Schulen und Turnhallen. Quälende Raumnot führte schließlich seitens der französischen Militärverwaltung zur Entscheidung, eine Kaserne in Idar-Oberstein zu errichten. Von 1922 bis 1927 erfolgte der Bau der Kaserne „Auf der Hohl“ später „Hohl- Kaserne“, benannt nach dem gleichnamigen Stadtteil Idar-Obersteins. Die Kaserne wurde jedoch durch die französischen Truppen bis zu ihrem Abzug 1930 nicht mehr bezogen, sondern teilweise als Schule genutzt. Auch ein Zug der oldenburgischen Landespolizei (das Fürstentum Birkenfeld gehörte kurioserweise von 1817 bis 1937 als „linksrheinische Exklave“ zum Großherzogtum Oldenburg), war zeitweise „auf der Hohl“ stationiert.

 

 


 

 

Teil 1:

Die Wehrmacht

 

 Nach der Stationierung von Truppenteilen der Wehrmacht im Rheinland ab 7. März 1936, hielt zunächst ein Heeres-Neubauamt in Idar-Oberstein Einzug. Die Stadt selbst bemühte sich aktiv, die Zustationierung von Truppenteilen zu erwirken; mit Erfolg. Noch 1936 wurde Idar-Oberstein beauftragt, zusätzlich zu der verfügbaren Hohl-Kaserne, Flächen für den Bau zweier neuer Kasernen auszuweisen. Die Kasernen sollten folgende Dienststellen aufnehmen: einen General mit Stab, ein Infanterieregiment mit Stab und zwei Bataillonen, eine Artillerieabteilung mit Stab sowie eine Flakabteilung mit Stab. Idar-Oberstein meldete daraufhin Möglichkeiten zum Bau je einer Kaserne auf dem Klotzberg, einem Höhenrücken am westlichen Stadtrand, sowie im Stadtteil Algenrodt

 Ein Grund für die Entscheidung, Idar-Oberstein zur Garnisonsstadt auszubauen, mag auch die unmittelbare Nähe zu Baumholder gewesen sein. Bei Baumholder wurde von 1936 bis 1938, nachdem 14 Gemeinden geräumt und ca. 4000 Einwohner zwangsumgesiedelt worden waren, ein ca. 11.000 ha großer Truppenübungsplatz angelegt. Dieser war mit modernsten Ausbildungsanlagen, z. B. zur Zieldarstellung, ausgestattet und bot optimale Ausbildungsmöglichkeiten, auch für Artillerie-verbände.

Im Januar 1937 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau der „Artillerie-Kaserne“ in Algenrodt sowie der Kaserne „Auf Klotz“, später „Klotzberg-Kaserne“. Die Baustellen nahmen für hiesige Verhältnisse gewaltige Ausmaße an. Vor dem Bau der Klotzberg- Kaserne wurde die gesamte Kuppe des Höhenrückens um bis zu 14 Meter abgetragen. Von der Stadt wurde eine Schneise durch den angrenzenden Dietzenwald geschlagen, um eine Rampe mit Aufzug zur Baustelle der Klotzberg- Kaserne anzulegen, da es keine geeigneten Straßen dorthin gab. Bis zu 1200 Menschen arbeiteten in drei Schichten an den Kasernenbauten. Da viele der Arbeiter aus der Umgebung stammten und mit dem Kasernenbau auch der Wohnungs- und Straßenbau in Idar-Oberstein forciert wurde, erlebte die Stadt im Zuge der Baumaßnahmen einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Dienstleistungen für die Garnison sowie die „Kaufkraft“ der zustationierten Soldaten und deren Angehörigen belebten diesen Aufschwung später zusätzlich. Die Baukosten für Klotzberg und Straßburg-Kaserne beliefen sich 1938 auf über 40 Millionen Reichsmark (entspricht einem heutigen Wert von über 200 Millionen Euro).

Bild  Bauleiter Skizze Klotzberg Kaserne

Bauleiterskizze der Klotzberg-Kaserne

Bereits 15 Monate nach Baubeginn hielt die Wehrmacht, genauer: die Artillerie, in Idar-Oberstein Einzug. Landrat und Oberbürgermeister nebst „Honoratioren“ begrüßten am 30. April 1938, die einziehenden Soldaten vor den Toren der Stadt.

Dieses Datum markiert somit den Beginn der Garnisonsgeschichte Idar-Obersteins.

30. April 1938 

Oberbürgermeister Berger begrüßt Oberstleutnant Zutavern,Kdr III. ArtRgt 34

vor den Toren der Stadt

 


 

  Die Bevölkerung bereitete „ihren Soldaten“ mit Jubel und geschmückten Straßen einen überaus freundlichen Empfang. Die zuerst fertig gestellte Artillerie- Kaserne in Algenrodt wurde an die III. Abteilung Artillerie-Regiment 34 übergeben. Da das ArtRgt 34 die Tradition des ehemaligen 2. Ober- Elsässischen Feldartillerie- Regiments Nr. 51 (STRASSBURG) pflegte, wurde die Artillerie- Kaserne noch 1938 in „Straßburg-Kaserne“ umbenannt.

Bild 2 Einzug III ArtRgt 34 in Idar-Oberstein

Einzug III. ArtRgt 34 in IDAR-OBERSTEIN

Am 23.September konnte auch die Klotzberg-Kaserne, obwohl noch nicht gänzlich fertiggestellt, an das Infanterieregiment 107 übergeben werden. Generalmajor Strecker, der Infanteriekommandeur 34, zugleich Standortältester, bezog das „Haus Purper“ („Purpers Schlösschen“), eine repräsentative Gründerzeitvilla im Zentrum Idar-Obersteins, in der heute das Deutsche Edelsteinmuseum beheimatet ist. Die zuvor genannten Dienststellen/Verbände gehörten zur 34. Infanteriedivision im Wehrkreis XII. In der Hohl-Kaserne wurden Stab und eine Batterie der II. Abteilung Festungs- Flakregiment 32, ein Verband der Luftwaffe, stationiert.

Als III./ ArtRgt 34 und InfRgt 107 im September 1939 mit beginnendem 2. Weltkrieg nach ihrer Mobilmachung den Standort verließen, wurden die Kasernen durch verschiedene Ersatztruppenteile weiter genutzt; u. a. waren in Idar-Oberstein stationiert:

Sanitäts- Staffel (Klotzberg- Kaserne)

Luftwaffen- Sanitäts- Staffel (Kaserne "Auf der Hohl")

Infanterie- Ersatz-Bataillon 107, später Reserve- Grenadier- Bataillon 107

Grenz- Infanterie- Ersatz- Bataillon 125

Grenz- Infanterie- Ersatz-Bataillon 127

Grenz- Infanterie- Ersatz-Bataillon 129

Infanterie- Ersatz- Regiment 263

Infanterie- Ersatz- Bataillon 463

Infanterie- Ersatz- Bataillon 483

Wehrkreis- Unterführer- Lehrgang XII, später Kampfgruppe 15/XII

Darüber hinaus wurden die Kasernen teilweise mit französischen und russischen Kriegsgefangenen belegt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden etliche der Idar-Obersteiner Betriebe, vor allem metallverarbeitende, in die Rüstungswirtschaft eingebunden. So wurden u. a. Kochgeschirre, Koppelschlösser, Orden und Ehrenzeichen in großen Mengen durch städtische Betriebe produziert. Dieser Umstand sowie die beschriebenen militärischen Anlagen mögen Gründe dafür gewesen sein, dass Idar-Oberstein 1944/45 mehrfach Bombenangriffen ausgesetzt gewesen ist, denen insgesamt ca. 50 Einwohner zum Opfer fielen. Der Zweite Weltkrieg und damit die Stationierung von Wehrmachtstruppenteilen endeten für Idar-Oberstein am 20.03.1945, als amerikanische Truppen kampflos die Stadt besetzten. Unmittelbar zuvor hatten abrückende Wehrmachtsverbände noch sämtliche Nahebrücken im Stadtgebiet gesprengt. Und obwohl Idar-Oberstein von Kampfhandlungen und damit weiteren Zerstörungen verschont blieb, endete das Dritte Reich auch für diese Stadt in einer Katastrophe. Mehr als 2200 Bürger Idar-Obersteins, rund ein Sechstel der männlichen Bevölkerung, fielen im Zweiten Weltkrieg, verstarben in Gefangenschaft oder gelten seit Kriegsende als vermisst.


 

 

Teil 2:

Die Alliierten

   1. Die Franzosen

   2. Die Amerikaner

in Idar-Oberstein

-von Besatzern zu Partnern und Freunden-

1. Französische Besatzungszeit

 Mit Einzug der US Armee am 19./20.03.1945 endete für die Bevölkerung Idar-Obersteins der Zweite Weltkrieg und eine Zeit ständiger Bedrohung, vor allem durch die Handlungen nationalsozialistischer „Endsieg-Fanatiker“ und alliierter Luftangriffe. Gleichzeitig begann die Besatzungszeit, die für Teile der Bevölkerung neues Leid bedeutete. Wohnungen und Sachgüter wurden beschlagnahmt, die Verwaltung quasi stillgelegt. An einen Neuanfang im politischen Leben war zunächst nicht zu denken. Für einen kurzen Moment rückte Idar-Oberstein in das Zentrum amerikanische Militärgeschichte. General George S. Patton, Befehlshaber der 3. US Armee, bezog mit seinem Stab im Zeitraum 27.03. – 03.04.1945 in der Klotzbergkaserne Quartier. Nach Verlegung seines Gefechtsstandes nach Hanau wurden noch im April die Idar-Obersteiner Kasernenanlagen durch die Amerikaner zur Plünderung freigegeben.

Einhergehend mit der Besetzung rollten erste Verhaftungswellen durch das Land. Menschen, die sich in der NS-Zeit schuldig gemacht hatten, aber auch Mitläufer oder schlichtweg von anderen Denunzierte wurden in der Straßburg-Kaserne , in der im Mai 1945 durch US Pioniere (381st Engineer Combat Battalion) ein Internierungslager eingerichtet worden war, festgesetzt. Mit bis zu 4000 Internierten war die Straßburg-Kaserne hoffnungslos überbelegt. In überlieferten Zeitzeugenberichten werden schreckliche Zustände geschildert. Erst 1946 wurde das Internierungslager geschlossen und nach Diez verlegt. Im Sommer 1945 erscheinen plötzlich einige sowjetische Offiziere im Stadtgebiet. Sie besetzen die sog. „Villa Purper“. Nach einigen Wochen endete diese Episode. Die Sowjetflagge wurde eingeholt, die Offiziere zogen ab.

Bereits im Juli 1945 begannen die Amerikaner, die Region, jetzt Teil der französischen Besatzungszone, zu räumen und an die französische Armee zu übergeben. Mit Einzug der Franzosen verschlechterte sich die Situation der Bevölkerung zunächst weiter. Verfügten die US Truppen über eine gut funktionierende Logistik, so mussten sich die französischen Verbände anfangs „aus dem Umland versorgen“. Neue Requirierungen, vor allem von Wohnungen und knappen Lebensmitteln, folgten.


 

 Im September 1945 nahm die französische Artillerieschule in der Klotzbergkaserne ihren Ausbildungsbetrieb auf. Offizielle Begründung für die Entscheidung zur Stationierung der französischen Artillerieschule in Idar-Oberstein waren einmal mehr die hervorragenden Ausbildungsmöglichkeiten auf dem Truppenübungsplatz Baumholder. Darüber hinaus haben vermutlich die Kräfte der neu aufzustellenden französischen Armee für den Aufbau einer militärischen Grundorganisation in Frankreich sowie die Übernahme der Besatzungsaufgaben in Deutschland nicht ausgereicht. Mit der Zustationierung der Ecole d' Aplication d'Artillerie sowie mehrerer Lehrverbände ließen sich nun beide Aufgaben miteinander verbinden.

Die Klotzbergkaserne, umgetauft in „Quartier Jeanne d'Arc“, beherbergte den Schulstab, Versorgungsteile sowie die Unterkünfte für Lehrgangsteilnehmer. Lehrtruppe bezog das „Quartier Strassburg“ sowie die Hohl-Kaserne, jetzt „Quartier Clappier“. Folgende Lehrverbände waren von 1945 – 1956, zumindest zeitweise, in Idar-Oberstein stationiert:

 -    101º Groupe d' Observation (Artillerie-Aufklärungsbataillon)

-    102º Groupe d' Observation

-    1/67º Regiment d' Artillerie (Feldartilleriebataillon)

-    1/66º Regiment d' Artillerie1/47º Regiment d' Artillerie

-    2/32º Regiment d' Artillerie

-    453º Groupe d' Artillerie Antiaérienne (Flugabwehrbataillon)

-    481º Groupe d' Artillerie Antiaérienne

 

Französische Fliegerabwehrkanone in der Klotzbergkaserne

Bis zur Rückverlegung der französischen Artillerieschule nach Frankreich (Mourmelon) im Jahr 1952 wurden ca. 3000 Offiziere in Idar-Oberstein ausgebildet. Von 1952 bis 1956 verblieb nach Abzug der Artillerieschule das 32º Regiment d' Artillerie in Klotzberg- und Hohl-Kaserne.


 Im Standort-Offizierheim zur französischen Zeit


 

 

  

2. Die amerikanischen

          Streitkräfte 

 

 Anfang der 1950er Jahre kehrten die Amerikaner nach Idar-Oberstein zurück. Als „Sub-Community“ des Standortes Baumholder wurden zunächst Logistikeinheiten in der Straßburg-Kaserne stationiert. Grund dafür war die Übernahme eines ehemaligen Verpflegungslagers der Wehrmacht in Nahbollenbach (seit 1969 ein Stadtteil Idar-Obersteins). Das Lager war 1945 ebenfalls durch die Franzosen übernommen worden und wurde von 1950 – 1952 durch die US Armee zu einem Gerätedepot ausgebaut. Das „Quartermaster Depot Nahbollenbach“, das auch umfangreiche Betriebsstofflagerstätten in der angrenzenden „Winterhauch“ umfasste, wurde im Laufe der Jahre zu einem der größten Depots außerhalb der USA erweitert.

 Betrieb und Bewachung erfolgten zunächst in Teilen durch ehemalige Zwangsarbeiter aus osteuropäischen Staaten, vor allem der Tschechoslowakei und Polen, die nicht in ihre Heimat zurückkehrten und sich im Labor Service (später: Civilian Support) der US Armee dienstverpflichteten. Für diese Einheiten, in denen nach und nach mehr Deutsche Dienst verrichteten, wurde eine weitere Kasernenanlage (Carl-Schurz-Kaserne) in unmittelbarere Nähe des Depots errichtet. U.a. waren folgende Labor Service Einheiten in Idar-Oberstein/Nahbollenbach eingesetzt:

 -    6991st Labor Service Quartermaster Battalion

-    6966th Civilian Support Group

-    8366th Civilian Support Group

-    8370th Civilian Support Group

-    4091st Labor Service Company (Guard)

-    4222nd Labor Service Company (Guard)

Das Depot erfüllte wechselnde Aufgaben; ab Mitte der 1970er Jahre im Schwerpunkt die Unterstützung von Geräteeinheiten der US Army, die im Rahmen der Wartime Host Nation Support Vereinbarung an Großübungen wie „Reforger“ aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland verlegt wurden. Mit ca. 1000 zivilen Arbeitnehmern stellte das „Nahbollenbach Army Depot“ zudem einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region dar.

 Aber auch die Artillerie hielt seitens der Alliierten Einzug in Idar-Oberstein. Seit den 1970er Jahren waren neben Pionieren und diversen Dienststellen nahezu durch-gehend unterschiedliche Artillerieverbände in der Straßburg-Kaserne stationiert. Bis 29.05.2008, dem Datum des Außerdienststellungsappells der letzten US Einheit in Idar-Oberstein, bestimmten amerikanische Soldaten und deren Angehörige das Leben in Idar-Oberstein wesentlich mit. Allgemein bekannt sein dürfte mittlerweile, dass u.a. Bruce Willis, berühmter US Schauspieler, 1955 in Idar-Oberstein geboren wurde.


 

 Beim Aufbau der Bundeswehr leistete die US Armee entscheidende Unterstützung. Neben umfangreichen Materiallieferungen zur Aufstellung der Artillerieschule und Lehrtruppe begleitete ein Ausbildungsteam der „German Army Training Group“, gestellt durch Teile der 2nd Armored Division Baumholder, in Stäke von ca. 35 Offizieren und Unteroffizieren die Aufstellung der Bw-Truppenteile in Idar-Oberstein in den Jahren 1956/57. Später wurden Patenschaften zwischen den in Idar-Oberstein stationierten deutschen und amerikanischen Verbänden geschlossen. Die Stationierungszeiten einzelner Verbände, Einheiten und Dienststellen in Idar-Oberstein lassen sich oft nur bruchstückweise ermitteln. Die folgende Liste der in Idar-Oberstein stationierten US-Einheiten erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit. Sie ist vielmehr Beleg dafür, in welcher Geschwindigkeit auch in den US-Streitkräften Strukturen (und Garnisonen) wechseln:

 -    HQ 3rd Army (März 1945, Klotzberg-Kaserne)

-    HQ XXIII Corps (1945, Klotzberg-Kaserne)

-    HQ 13th Armored Div (April 1945 Klotzberg-Kaserne)

-    381st Engineer Combat Battalion (Bn) (Mai 1945, Straßburg-Kaserne)

-    40th Engineer Bn (Straßburg-Kaserne)

-    C Battery 333rd Target Aquisition Bn (Straßburg-Kaserne)

-    HQ/HQ Battery 5th Missile Bn/6th Arty (Straßburg-Kaserne)

-    6th Bn/29th Field Arty (Straßburg-Kaserne)

-    1st Bn/94th Field Arty (Straßburg-Kaserne)

-    2nd Bn 81st Field Arty (Straßburg-Kaserne)

-    39th Transportation Bn (Movement Control Team) (Nahbollenbach)

-    664th Ordnance Company (Co)/15th OrdBn (Straßburg-Kaserne)

-    95th Quartermaster Bn (Straßburg-Kaserne, Nahbollenbach)

-    85th, 522nd, 557th, 561st Quartermaster Supply Co (Straßburg-Kaserne, Nahbollenbach)

-    9th Maintenance Bn Combat Equipment Group (Straßburg-Kaserne, Nahbollenbach)

-    7th Combat Equipment Co (Nahbollenbach)

-    222nd Base Support Bn Area Support Team (Straßburg-Kaserne)

-    C Co. 382nd Military Police Bn (Straßburg-Kaserne)

-    58th Medical Evacuation Hospital (Straßburg-Kaserne)

-    532nd Signal Co (Straßburg-Kaserne)

-    415th Army Security Agency Co (Straßburg-Kaserne)


 

Im August 2008 verließ die letzte US-Einheit, 1st Bn/94th Field Arty, ein MLRS Raketenartilleriebataillon, Idar-Oberstein oder „The Rock“, wie die US Soldaten es nannten. Die Straßburg-Kaserne wird seit diesem Zeitpunkt nicht mehr genutzt. Bereits Ende der 1990er Jahre war Nahbollenbach durch die US-Streitkräfte geräumt worden. Es wurde seit 2000 zum Gewerbegebiet („Gewerbepark Nahetal“) umgestaltet.

 Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich die alliierten Verbindungsoffiziere aus Frankreich, Großbritannien und den USA, die bis vor einigen Jahren an der Artillerieschule eingesetzt waren. Doch auch nach deren Abberufung endete die Geschichte verbündeter Streitkräfte in Idar-Oberstein nicht. Seit 2006 ist eine niederländische Ausbildungsinspektion integraler Bestandteil der Artillerieschule. Die Inspektion führt die Ausbildung niederländischer Artilleristen an Panzerhaubitzen 2000 durch.  Darüber hinaus sorgt ein niederländischer Verbindungsoffizier in Idar-Oberstein für reibungslose Kommunikation zur niederländischen Artillerie.

 Noch heute bestehen Patenschaften zwischen der deutschen Artillerieschule und der Military Community Baumholder sowie der französischen Artillerieschule in Draguignan.

 

 


 

Teil 3: 

Die Bundeswehr

- Lehrtruppe und andere Dienststellen -

           
Warum fiel bei der Suche nach einem Standort für die neue Artillerieschule die Wahl auf Idar-Oberstein? Jüterbog zum Beispiel, ca. 60 km südlich von Berlin gelegen und seit 1890 Standort einer der Artillerieschulen des Heeres, befand sich nach der deutschen Teilung im kommunistischen Machtbereich. Viele Kasernenanlagen der ehemaligen Wehrmacht und vor allem die Truppenübungsplätze wurden nach 1945 durch alliierte Besatzungskräfte genutzt. Bis zur Übernahme der Leitung dieser Truppenübungsplätze durch die Bundeswehr gestaltete sich die Mitnutzung durch deutsche Verbände zumeist schwierig. Gesucht wurde also ein Standort mit ausreichender Infrastruktur, sowohl für Artillerieschule als auch Lehrtruppe, in der Nähe eines Truppenübungsplatzes, der auch für Artillerieschießen geeignet war und durch die Bundeswehr mitgenutzt werden konnte. Idar-Oberstein, ein ehemaligen Artilleriestandort, in unmittelbarer Nähe zum Truppenübungsplatz Baumholder gelegen, beheimatete bereits von 1945 bis 1952 die französische Artillerieschule und bot sich somit für eine Stationierung an.

Und auch wenn Idar-Oberstein als Bundeswehr-Standort heute vorrangig mit der Artillerieschule in Verbindung gebracht wird, so waren die ersten deutschen Soldaten nach dem 2. Weltkrieg in der Edelsteinstadt Angehörige des Artillerielehrbataillons, des ersten Artilleriebataillons der Bundeswehr. Am Dienstag, den 03.04.1956 meldeten sich die ersten drei einberufenen Soldaten des Lehrverbandes bei der französischen Wache der Klotzbergkaserne (damals noch Quartier Jeanne d’Arc) und wurden zunächst nicht eingelassen. Nach und nach trafen weitere Einberufene ein, verschafften sich Zugang zur Liegenschaft und begannen zunächst mit der Möblierung der kargen Unterkünfte. „Aus dem Nichts“ gestaltete sich der Aufbau der neuen Artillerietruppe allerdings schwierig. In den ersten Wochen noch ohne Großgerät wurden zunächst Stab und Kader der zukünftigen Batterien des Bataillons aufgestellt. Man betrieb „grüne Ausbildung und Formaldienst“. Die von Beginn an „lehrmäßig“ geführte Bataillionschronik des Artillerielehrbataillons gibt Auskunft über die widrigen Umstände der Neuaufstellung, den ständigen Zwang zur Improvisation aber auch den Enthusiasmus der ersten Artilleristen beim Aufbau ihrer neuen Truppengattung.


 

 Im Rahmen einer kleinen Zeremonie wurde am Morgen des 07.04.1956 vor 8 Offizieren und 35 Unteroffizieren und Mannschaften des Artillerielehrbataillons erstmalig die Bundesdienstflagge in der Klotzbergkaserne gehisst. Elf Jahre nach Kriegsende waren deutsche Soldaten nach Idar-Oberstein zurückgekehrt.

 Erste Flaggenparade der Bundeswehr In der Klotzbergkaserne

Der Aufbau der neuen Artillerietruppe wäre ohne umfangreiche Unterstützung der U.S. Streitkräfte in dieser Geschwindigkeit nicht möglich gewesen. Amerikanisches Gerät wurde bereitgestellt. 35 amerikanische Offiziere und Unteroffiziere der German Assistance Training Group (GATG) begleiteten die Aufstellungsphase, vor allem durch Einweisung in das neue Gerät aber auch durch Ausbildung in den Bereichen Taktik/Einsatzgrundsätze etc.

Zunächst waren auch noch französische Soldaten vor Ort. Bis zur offiziellen Übergabe der Klotzbergkaserne am 29.06.1956 teilten sich Deutsche und Franzosen des 32.  Regiment d'Artillerie die Liegenschaft. Überhaupt herrschte „auf Klotz“ dramatischer Platzmangel. Straßburg- und Hohlkaserne standen nicht für die Nutzung zur Verfügung, da diese durch Amerikaner und Franzosen belegt waren. Die Aufstellung der „Truppenschule Artillerie“ seit Juni 1956 sowie der rasante Aufwuchs der Lehrtruppe ließ die Klotzbergkaserne aus allen Nähten platzen. Auf dem Exerzierplatz (General-Bleidorn-Platz), der zugleich Ausbildungs- und Abstellfläche für Großgerät war, wurden zusätzliche Baracken errichtet. Dachböden wurden zu Schlafsälen ausgebaut. Dienstzimmer mussten wegen steigendem Unterkunftsbedarf in Kellerräume verlegt werden. Um der Raumnot zu begegnen, wurden Einheiten wie z.B. die Offizieranwärterbatterie des Artillerielehrbataillons 1958 in das Lager Wilhelmswald  nach Baumholder verlegt. Schon 1956 wurden erste Forderungen nach einem Kasernenneubau gestellt. Es vergingen jedoch noch mehr als 10 Jahre, bevor die neue Kasernenanlage auf dem Rilchenberg fertiggestellt sein sollte.

 

Der Exerzierplatz (General-Bleidorn-Platz)...

… als Ausbildungsplatz an der PzH M7B2  (ca 1957)

 

...auch als Platz für Geschäftszimmer- und Unterrichtsbaracken genutzt

 


 

Am 21.08.1956 fand auf dem Truppenübungsplatz BAUMHOLDER das erste Artillerieschießen des Artillerielehrbataillons und damit der Bundeswehr statt. Bereits ein Jahr später hatte der Verband, so resümierte der erste Kommandeur, Oberstleutnant Kersten anlässlich seiner Versetzung am 16.08.1957 „95 Artillerieschießen, 88 Rahmenübungen und 10 Feuerleitübungen“ durchgeführt sowie rund 1500 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ausgebildet. Eine „Schlagzahl“, die das Bataillon über die nächsten Jahrzehnte beibehalten sollte. Das Bataillon selbst war, um die Ausbildung an allen Rohrwaffensystemen sicherzustellen, mit einer „Mehrfachausstattung Gerät“ belastet. Ein weiteres Lehrbataillon, das Feldartillerie-Lehrbataillon 310 wurde 1959 in Idar-Oberstein aufgestellt. Es ging aus dem Artillerielehrbataillon, das gleichzeitig in Panzerartillerie-Lehrbataillon 51 unbenannt wurde, hervor. 1965 wurde das Feldartillerie-Lehrbataillon 310 unter gleichzeitiger Umbenennung in Panzerartillerie-Lehrbataillon 310 nach Kusel verlegt. Das Panzerartillerie-Lehrbataillon 51 sollte bis zu seiner Außerdienststellung 2003 als Beobachtungspanzerartillerielehrbataillon 51 einen wesentlichen Beitrag zur Ausbildung der Artilleristen an der Artillerieschule in Idar-Oberstein leisten.


 Ausbildung an der Feldhaubitze 105mm auf dem Standortübungsplatz (1963) (Fotos Heuser)

 


 

1957 schlug auch die Geburtsstunde der Aufklärenden Artillerie in Idar-Oberstein. Im Februar diesen Jahres wurde in der Hohlkaserne die Beobachtungslehrbatterie 373 aufgestellt. Diese Batterie verfügte über Schallmess-, Lichtmess-, Radar- und Vermessungsteileinheiten. 10 Jahre später wurden die Schall- und Lichtmesszüge zu selbständige Batterien umstrukturiert und in der  Rilchenbergkaserne einquartiert. Ein Wetterzug wurde aufgestellt. 1970 wurden die verschiedenen Aufklärungsbatterien schließlich zum Beobachtungslehrbataillon 5 zusammengefasst. Manchem dürfte heute unbekannt sein, dass 1. und 4. Batterie des Bataillons von 1970 bis 1973 in Birkenfeld stationiert waren. 1972 führte die genannte 4./Beobachtungsbataillon 5 den ersten Drohnenflug (CL 89) auf dem Truppenübungsplatz BERGEN durch. 1979 wurde das Bataillon in Beobachtungsbataillon 53 umbenannt, bevor es 1980 seine endgültige Bezeichnung, Beobachtunsartillerielehrbataillon 53 erhielt.         

Zunächst Heeresamt/Artillerieschule unmittelbar unterstellt, wurde 1979 eine weitere Drohnenbatterie in Idar-Oberstein aufgestellt. Die Drohnenbatterie CL 289 (Truppenversuch), seit 1985 Drohnenlehrbatterie 300, führte die Erprobung bis zur Abnahme des Systems Drohne CL 289 von 1980 bis 1986 durch. Dieser Zeitraum umfasste auch eine fast dreijährige Erprobungsphase in den USA (YUMA/Arizona). Es folgten Kaderausbildungen, Lehreinsätze weitere Erprobungen und schließlich der Unterstellungswechsel zu Artillerielehrregiment 5 im Jahr 1993. Die „Drohneure“ gehörten Ende der 1990er Jahre zu den ersten Artilleristen, die geschlossen an Auslandseinsätzen der Bundeswehr teilnahmen (hier SFOR in Bosnien-Herzegowina).

Und die Raketenartillerie? Sie war zunächst in Idar-Oberstein kaum „gefordert“. Gab es doch eine eigene Raketenschule des Heeres (später: Raketenschule der Artillerie), aufgestellt in Köln-Longerich, später in Eschweiler und schließlich in Geilenkirchen stationiert. Mit Auflösung der Raketenschule und Eingliederung in die Artillerieschule als Lehrgruppe B im September 1981 wurde auch die Zuverlegung entsprechender Lehrtruppe notwendig. Teile des in Gießen stationierten Raketenartilleriebataillon 52, wurden Panzerartillerielehrbataillon 345 unterstellt und 1981 nach Kusel verlegt. Um die Ausbildung am Raketensystem LANCE zu ermöglichen, wurde darüber hinaus im gleichen Jahr die 5./Raketenartilleriebataillon 150 (mit Einnahme der Artilleriestruktur 85: 4./Raketenartilleriebataillon 250) dem Artillerielehrregiment 5 als LANCE-Lehrbatterie unterstellt und nach Idar-Oberstein verlegt. Das Raketenartillerielehrbataillon 52 wurde später am Standort Hermeskeil wieder zusammengeführt.

Die Aufzählung der Lehrtruppe wäre unvollständig, wenn nicht auch die Topographietruppe bzw. der Militärgeographische Dienst Erwähnung finden würde. Bereits 1957 wurde mit Aufstellung der Topographielehrbatterie 700, zuletzt Topographielehrbatterie 900 in der Klotzbergkaserne dafür der Grundstein gelegt. Die Ausbildung MilGeoWesen fand seit Aufstellung der Artillerieschule ebenfalls in Idar-Oberstein statt. Auch dann noch, als die Topographietruppe aus der Artillerie ausgegliedert und zu einer eigenen Truppengattung umstrukturiert wurde. Noch heute liefert der Aerologische Messzug Idar-Oberstein, der 1959 als Ballistischer Wetterzug III. Korps aufgestellt wurde, die für den Ausbildungsbetrieb in Idar-Oberstein und Baumholder erforderlichen Wetterdaten.

Erst 1959 wurde durch das Truppenamt (Vorläufer Heeresamt) die Aufstellung des Artillerielehrregiments befohlen. Dieses führte die unterstellten Lehrverbände und koordinierte den ständig steigenden Abstellungsbedarf für die Artillerieschule. Mit Einnahme der Heeresstruktur 4 am 01.10.1981 fusionierten Artillerielehrregiment sowie das 1956 aufgestellte Artillerieregiment 5 in Diez/Lahn. Genauer: das Artillerielehrregiment wurde aufgelöst und das Artillerieregiment 5 unter gleichzeitiger Umbenennung in Artillerielehrregiment 5 nach Idar-Oberstein verlegt. Fortan hatte das Artillerielehrregiment 5, dessen Stab 1981 in die Hohlkaserne verlegt wurde, nicht nur den Lehrbetrieb für die Artillerieschule sicherzustellen sondern auch die 5. Panzerdivision in Einsatz und Übung artilleristisch zu unterstützen. Ein Aufgabenspektrum, welches dem Regiment und den unterstellten Verbänden oftmals „Unmögliches“ abverlangte. Um die besonderen Verdienste des Regiments zu würdigen und die enge Verbundenheit zu Stadt und Region zu bekräftigen, wurde dem  Artillerielehrregiment 5 am 18.07.1996 der Traditionsname „HUNSRÜCK“ verliehen.

 


 

 

Doch zurück zu den Anfängen. Bereits am 20.03.1956, also knapp 2 Wochen vor den ersten Soldaten, waren Angehörige der neu aufzustellenden Standortverwaltung vor Ort. Sie bezogen zunächst mangels eigener Liegenschaft Quartier „in einem Amtszimmer im Stadthaus“ und unterstützten von Beginn an den Aufbau der militärischen Dienststellen. Nach mehreren Umzügen und vielen Umstrukturierungen nimmt heute das  Bundeswehrdienstleistungszentrum Idar-Oberstein Aufgaben der Standort- und Truppenverwaltung im Zuständigkeitsbereich wahr. Dieser reicht weit über die Stadtgrenzen hinaus und umfasst auch die Standorte Birkenfeld, Baumholder und Kusel.

Mitte der 1980er Jahre dienten in Idar-Oberstein (einschließlich Lehrgangsteilnehmer und Rekruten) ständig rund 5000 Soldaten, Beamte und zivile Arbeitnehmer der Bundeswehr. Ein Personalumfang, der u.a. die Zuverlegung eines eigenen Feldjägerdienstkommandos erforderlich werden ließ. Es ist klar, dass eine Garnison dieser Größe auch die Garnisonsstadt verändert. Idar-Oberstein wuchs, auch durch immer mehr zuziehende Soldaten(-familien) auf weit über 30.000 Einwohner an. Dringend benötigter Wohnraum führte schon Ende der 1950er Jahre zum Bau der sogenannten Barbara-Siedlung; Sporteinrichtungen (Schwimmbad Kammerwoog) sollten folgen. 1964 wurde der Neubau der beiden Garnisonskirchen mit der Einsegnung der katholischen Kirche Sankt Barbara sowie der evangelischen Johannes-Kirche abgeschlossen. Dazu Gemeindezentrum und Kindergarten, die schon lange nicht mehr nur durch Soldaten genutzt werden. Mit Neubau der Kasernenanlage auf dem Rilchenberg ab 1964 und Verlegung erster Teile in diese Liegenschaft ab 1967 veränderte sich das Gesicht der Stadt weiter. Idar-Oberstein gehörte seit den 1960er Jahren zu den größten Heeres-Standorten. Negative Begleiterscheinungen sollen nicht unerwähnt bleiben. So quälte sich beispielsweise vor dem Bau der Umgehungsstraße nach Baumholder täglich Lehrtruppe mit Rad- und Kettenfahrzeugen auf Einbahnstraßen entlang der Nahe durch die Innenstadt zum Truppenübungsplatz. Ein untragbarer Zustand, an den sich ältere Einwohnern und Soldaten heute noch erinnern. Kaum ein Werktag verging an dem Tag- und Nachtschießen der Artillerie in Baumholder durchgeführt wurden. (Neben den Artillerieverbänden der Bundeswehr waren bis zu drei U.S.-Artillerieverbände in Idar-Oberstein und Baumholder stationiert.) Die Lärmbelastung für die angrenzenden Gemeinden war erheblich. Doch die Bundeswehr war nicht nur einer der größten Arbeitgeber sondern auch zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor in Stadt und Region geworden. Das half, manche Belastungen leichter zu ertragen. Schenkt man darüber hinaus den Unterlagen im Stadtarchiv sowie den militärischen Chroniken Glauben, so war nach dem Weichen anfänglicher Skepsis und trotz mancher Schwierigkeiten das Verhältnis zwischen Garnisonsstadt und Garnison von Beginn an durch ein partnerschaftliches, ja freundschaftliches Miteinander geprägt.

 


 

Folgende Stäbe, Verbände, Einheiten und Dienststellen waren vor ihrer Außerdienststellung in Idar-Oberstein stationiert bzw. wurden in Idar-Oberstein aufgestellt und an anderer Standorte verlegt (angegeben jeweils letzte Bezeichnung):

-       Stab/Stabsbatterie Artillerielehrregiment 5 HUNSRÜCK

-       Beobachtungspanzerartillerielehrbataillon 51

-       Beobachtungslehrbataillon 53

-       Beobachtungslehrbatterie 373

-       V°-Meßtrupp 850

-       Instandsetzungskompanie 301

-       Feldartillerie-Lehrbataillon 310

-       Raketenartillerielehrbatterie LANCE (4./RakArtBtl 250)

-       Drohnenlehrbatterie 300

-       Topographierlehrbatterie 900

-       Flugbetriebsgruppe Drohne I

-       Verteidigungskreiskommando 413

-       II. Zug 2./Feldjägerbataillon 740

-       Offizieranwärterbataillon Idar-Oberstein

-       Feldausbildungsregiment 85

-       Wehrleit-/Ersatzbataillon 855

-       Verbindungskommando 6. Pipelinedivision

-       Fernmeldedienstgruppe 431/21

-       Heeresmusikkorps IV B

 Mit Außerdienststellung des Artillerielehrregiments 5 HUNSRÜCK sowie der unterstellten Verbände und Einheiten endete zunächst die Geschichte der Lehrtruppe in Idar-Oberstein. Im Jahr 2008 kehrte dann eine Lehreinheit an den Standort zurück. Seit diesem Jahr ist die 3./Artillerielehrregiment 345 (Kleinfluggerät Zielortung/KZO) in der Rilchenbergkaserne stationiert. Im Rahmen der Einnahme der Struktur HEER2011 wurde Anfang 2013 die 2./Raketenartilleriebataillon 132 dem Artillerielehrregiment 345 unterstellt und von Sondershausen nach Idar-Oberstein in die Klotzbergkaserne verlegt. Mit Aufgabe des Standortes Kusel wurde das Artillerielehrregiment 345 dann zum Artillerielehrbataillon 345 umgegliedert und in Idar-Oberstein  wieder zusammengeführt.

Folgende Einheiten und Dienststellen sind heute in Idar-Oberstein stationiert:

Rilchenbergkaserne:

-     Artillerieschule

-     Niederländische Ausbildungsinspektion

-     Inspektion Sprachausbildung Offizieranwärter

-    Bundessprachenamt Referat S8 und Sprachmittlerdienst 16

-    Schießsimulator Schützenpanzer Marder

-    3./Artillerielehrregiment 345

-     Katholisches u. Evangelisches Militärpfarramt

-     Fachsanitätszentrum Idar-Oberstein

-     Unterstützungspersonal Standortältester

-     Fernmeldeanlagen Bw 434/131

-     Zivile Aus- und Weiterbildungs-Betreuungsstelle

-    Feldwebel für Reservistenangelegenheiten (Landeskommando Rheinland-Pfalz)

-    Mobilitätscenter

-     LH Bundeswehrbekleidungsgesellschaft mbH - Servicestation

-     BWI Informationstechnik GmbH

Klotzbergkaserne:

-    2./Raketenartilleriebataillon 132 (zu 345)

-    Berufsförderungsdienst TRIER

-    Logistische Steuerstelle 7

-    Materialprüftrupp II/2

-     Feldwebel für Reservistenangelegenheiten (Landeskommando Rheinland-Pfalz)

Hohlkaserne:

-     Fernleitungsbetriebsgesellschaft (FBG)

Darüber hinaus das Bundeswehr Dienstleistungszentrum sowie der Aerologischer Messzug Idar-Oberstein in eigenen Liegenschaften.

Es ist unmöglich, Einzelheiten zur Geschichte aller Truppenteile und Dienststellen der Bundeswehr seit 1956 am Standort Idar-Oberstein im Rahmen eines Artikels umfassend zu beschreiben.  In  der Truppengattungszeitschrift der Artillerie stehen natürlich die Artillerieverbände und -einheiten im Schwerpunkt. Stellvertretend für die Dienststellen des Territorialheeres muss jedoch in jedem Fall das Verteidigungskreiskommando 413 Erwähnung finden. Aufgestellt im April 1956 als Standortkommandantur Idar-Oberstein wurde es mit der Umgliederung des Territorialheeres 1965 in Verteidigungskreiskommando 413 umbenannt. Das VKK führte über fast 40 Jahre die unterstellten Dienststellen und Einheiten des Territorialheeres und war bis zu seiner Außerdienststellung 1994 eine entscheidende Schnittstelle zu Kommunalbehörden im Zuständigkeitsbereich. Es stellte zudem den Standortältesten; eine Aufgabe, die seit Auflösung des VKK der Kommandeur der Artillerieschule wahrnimmt.


 

 Die Artillerieschule

 

Der Umfang der Artillerie der Wehrmacht (rund 600 Artillerieregimenter und Abteilungen mit ca. 450.000 Soldaten) sowie eine immer weiter fortschreitende Spezialisierung erforderten im 2. Weltkrieg die Aufstellung diverser Artillerieschulen. Neben den klassischen (Rohr-) Artillerieschulen betrieb die Wehrmacht Gebirgs- und Heeres-Küstenartillerieschulen, Sturmgeschütz-, Nebelwerfer- sowie Flak-Artillerieschulen an verschiedensten Standorten im In- und Ausland. Wie bereits ausgeführt, kam 1955, nach der Teilung Europas, eine Neuaufstellung der Artillerieschule an einem Standort einer ehemaligen Artillerieschule der Wehrmacht nicht in Betracht. Jüterbog, Berlin-Lichterfelde, Meißen und Thorn beispielsweise, allesamt Standorte ehemaliger Artillerieschulen, befanden sich nach dem 2. Weltkrieg im kommunistischen Machtbereich.

In Westdeutschland gelegene Garnisonen der ehemaligen Wehrmacht wurden mit Masse durch Verbände und Dienststellen der Alliierten genutzt. So auch Idar-Oberstein, ein ehemaliger Wehrmachtsstandort der Infanterie und Artillerie und Standort der französischen Artillerieschule seit 1945 (Name der Klotzberg-Kaserne zu dieser Zeit: „Quartier Jean D’Arc“). 1952 erfolgte die Rückverlegung der französischen Artillerieschule nach Frankreich, Mourmelon. Das 32eme Regiment d’Artillerie verblieb bis 1957 in Idar-Oberstein. Der benachbarte Truppenübungsplatz Baumholder bot ideale Ausbildungsmöglichkeiten, auch für die Artillerie. Zudem handelte es um eine dünn besiedelte Region, die noch nicht am Wirtschaftswunder partizipierte (Arbeitslosigkeit im Kreis Birkenfeld 1955: über 20%). Man rechnete sicherlich damit, die absehbare Belastung der Bevölkerung durch Ausbildungsbetrieb und Schießlärm, durch die mit der Zustationierung einhergehenden wirtschaftlichen Belebung „aufzuwiegen“. Und so geschah es. Knapp 30 Jahre später waren etwa 20% der Erwerbstätigen im Landkreis Birkenfeld in der öffentlichen Verwaltung – rund die Hälfte davon bei den Streitkräften – beschäftigt.

Doch zurück zu den Anfängen. Bei Aufstellung der Bundeswehr war zunächst nur die Einrichtung einer Artillerieschule vorgesehen. Die Indienststellung unserer Artillerieschule vollzog sich kurz gefasst wie folgt: Eintreffen des Vorkommandos in Idar-Oberstein am 26.04.1956. Eintreffen des ersten Schulkommandeurs, Oberst Peslmüller, am 29.06.1956. Drei Tage  später, am 02.07.1956,  begann der erste Einweisungstruppenlehrgang für ehemalige Angehörige der Wehrmacht mit 126 Lehrgangsteilnehmern. Am 06.07.1956 wurde im Rahmen eines feierlichen Appels die offizielle Übernahme der Klotzberg-Kaserne von den Franzosen vollzogen.

 


 

Die Aufstellung der Artillerieschule, deren Bezeichnung bis 01.07.1957 noch „Truppenschule Artillerie“ lautete, muss sich aus heutiger Sicht explosionsartig vollzogen haben. Im Wochen-/Monatstakt wurden neue Organisationselemente aufgestellt. Neues, zumeist amerikanisches Gerät wurde ununterbrochen zugeführt.


Begutachtung von neuem Gerät durch Angehörige der Artillerieschule (ca. 1957)

Die Lehrtruppe wuchs, wie bereits beschrieben, in gleichem Maße. Nachdem die Dachböden der Gebäude der Klotzberg-Kaserne zu Lehrsälen und Unterkunftsräumen ausgebaut und 35 Feldhäuser auf dem General-Bleidorn-Platz errichtet waren, mussten verschiedene Elemente der Artillerieschule in anderen Liegenschaften ausgelagert werden. Die Artillerie-Unteroffizier-Lehrbatterie z.B. in das Lager Wilhelmswald in Baumholder, Teile des Materials wurden in der Hohl-Kaserne gelagert. Der Spezialstab ATV (Auswertung, Truppenversuche, Vorschriften, Vorläufer des Bereichs Weiterentwicklung) bezog ein Quartier in der Innenstadt (Hauptstraße 196). Kasernenpflichtiges Stammpersonal wurde im Soldatenheim einquartiert. Zur Unterbringung von Lehtgangsteilnehmern (Offizieren und Unteroffizieren) wurden in der Stadt die Hotels Kessel, Schützenhof und Schwan als "amtliche Unterkünfte" angemietet. Das Schlafen in "Doppelbetten" mußte dabei in Kauf genommen werden! Zur "Dienstaufsicht" wie Stubendurchgänge usw. wurden Dienstfahrten der Inspektions- und Hörsaalfeldwebel erforderlich. Auch der Bau der beiden Garnisonskirchen fiel in diese Zeit. 2014 blickten beide Kirchen auf ihr 50-jähriges Bestehen zurück.

Bereits Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre entstanden Siedlungen für Soldatenfamilien Auf dem Bilzacker, Am Rilchenberg, in der Bismarckstrasse und mehr. Bis zu deren Fertigstellung waren Zwischenumzüge nach Baumholder erforderlich.

  Alle diese Maßnahmen waren nicht ausreichend, um der Platznot Herr zu werden. Schon 1956 wurden Forderungen nach einem Kasernenneubau in Idar-Oberstein erhoben. Es sollten jedoch noch rund 8 Jahre vergehen, bevor sich der Rilchenberg in eine der größten Baustellen der Region verwandelte.

1964 wurde dann mit dem Bau der neuen Artillerieschule auf dem Rilchenberg, der zuvor als Standortübungsplatz genutzt worden war, begonnen. Gleichzeitig wurde die Umgehungsstraße nach Baumholder realisiert. Bis zu ihrer Fertigstellung bewegten sich täglich Einheiten der Artillerieschule und des Lehrregiments auf Einbahnstraßen durch die Innenstadt Idar-Obersteins, denn es gab zu dieser Zeit noch keine Naheüberbauung. Der Bau auf dem Rilchenberg selbst führte zu weiteren „Verdrängungseffekten“. Da nur noch Teile des Standortübungsplatzes Rilchenberg für die Ausbildung genutzt werden konnten, musste z.B. die praktische Feuerleitausbildung (in Form von Artillerie-Kleinkaliber-Schießen) auf das Gutsgelände um den „Fischerhof“ verlagert werden.

 1966 war es dann soweit. Zum zehn-jährigen Bestehen der Artillerie-schule wurde Richtfest für die ersten beiden Bauabschnitte der Rilchenberg-Kaserne gefeiert und gleichzeitig der erste Spatenstich für den dritten Bauabschnitt vollzogen. Die Namensfindung der neuen Artillerieschule erfolgte in Form eines Ideenwettbewerbes, an dem sich die Dienstgrade der Truppenschule rege beteiligten:

Vorschlag Hptm S. (InChef): „ Bei der Namensgebung für die Artillerieschule halte ich es für zweckmäßig an alten Flur- und Gewannenbezeichnungen festzuhalten...Meine Vorschläge lauten deshalb: 1.) Morgensonn-Kaserne 2.) Kaserne am Herzborn oder Herzborn-Kaserne. Die vorgeschlagenen Bezeichnungen haben sogar einen tieferen Sinn. Wie oft haben in den verflossenen Kriegen die Feuerschläge der Artillerie im ersten Licht der aufgehenden Sonne eingesetzt. Auch ist die Artillerieschule der Born aller Artilleristen. Rot ist die Farbe der Artillerie, rot ist auch die Farbe des Herzens in der Heraldik…

Es wurde dann auch eine Geländebezeichnung, aber eine andere

-Rilchenberg-

ausgewählt.


 

Mit Übernahme der Kaserne und Umzug des Lehrbetriebes ab September 1967 konnten nun endlich Ausbildungsstätten und Lehrgangsteilnehmer adäquat untergebracht werden (z.B. vier Fähnriche pro Stube). Die Artillerieschule räumte die Klotzberg-Kaserne für die Lehrtruppe. Mit Verlegung des Feldartillerielehrbataillons 310, jetzt Panzerartillerielehrbataillon 345, nach Kusel entspannte sich die Infrastruktursituation weiter. Der Lehrgangsbetrieb in Idar-Oberstein lief „auf höchsten Touren“. Rund 20 Jahre nach Indienststellung konnte am 18.03.1977 der 75.000. Lehrgangsteilnehmer an der Artillerieschule begrüßt werden, drei Jahre später waren es bereits 100.000. Mitte der 1980er Jahre dienten in Idar-Oberstein (einschließlich Lehrgangsteilnehmern) ständig rund 4000 Soldaten. Die Inspektionsfeldwebel achteten zu dieser Zeit peinlichst genau darauf, dass Teilnehmer, die an einem Lehrgang über drei Monaten Dauer teilnahmen, ihrer Meldepflicht folgten und ihren ersten Wohnsitz in Idar-Oberstein anmeldeten. Eine Maßnahme, die unserer Garnisonsstadt einen stetigen Einwohnerzuwachs bescherte. Die Truppe in der Region selbst konnte den Bedarf  an qualifizierten Ausbildern an der Artillerieschule nicht mehr decken. Im gesamten Bundesgebiet wurden Soldaten auf Zeit, die die Umwandlung des Dienstverhältnisses zum Berufssoldaten beantragt hatten, oftmals nur im Zuge einer Versetzung an die Artillerieschule zum BS ernannt. Viele, die so nach Idar-Oberstein kommen „mussten“, blieben später freiwillig für immer.

 Nicht jedermann dürfte heute bekannt sein, dass ca. 15 Jahre lang zwei Artillerieschulen im Heer existierten. Nach Aufstellung der Raketenartillerie wurde 1958 eine Lehrgruppe (mit drei Inspektionen) nach Eschweiler abgesetzt. Diese fusionierte mit Teilen der Schule Technische Truppen ab 1965 zur neuen Raketenschule des Heeres. 1969 wurde diese Schule nach Geilenkirchen verlegt und 1973 in Raketenschule der Artillerie umbenannt. Bereits vier Jahre später wurden die Bemühungen der Artillerietruppe, beide Schulen in Idar-Oberstein zusammenzuführen, durch den Inspekteur des Heeres gebilligt. Doch vor der Aufnahme der Raketenartilleristen mussten in der neuen Rilchenbergkaserne weitere Unterkunftsgebäude errichtet werden. Mit Verlegung der Raketenschule nach Idar-Oberstein und Eingliederung als Lehrgruppe B im Jahr 1981 wurden schließlich beide Schulen unter einem Dach vereint.

 

Ohne alle möglichen Gliederungen der Artillerieschule seit ihrer Aufstellung 1956 aufführen zu können, sollen die wesentlichen Organisationselemente in der gebotenen Kürze vorgestellt werden:

Die Artillerieschule wird durch den Kommandeur geführt. Hinter dieser Binse verbirgt sich die Tatsache, dass dieser Dienstposten erst 1995 mit dem des Generals der Artillerietruppe fusionierte. Vor 1995 war der General der Artillerie Angehöriger des Heeresamtes. (Hinweis: Bis zu ihrer Auflösung Anfang der 1990er Jahre verfügte unsere Truppengattung über drei Korpsartilleriekommandos, die in den 1980er Jahren jeweils durch einen Brigadegeneral geführt wurden. Zählt man den General Kampfunterstützungstruppen im Heeresamt hinzu dienten in der Artillerietruppe gleichzeitig 5 bis 6 Generale). Seit Aufstellung der Artillerieschule wird der Kommandeur durch einen Schulstab (ehemals Kommandostab) unterstützt. Dieser verfügte immer über die „klassischen“ Stabsabteilungen S1-S4, Technik, sowie noch in den 1990er Jahren über eine eigene Truppenverwaltung und den unterstellten Sanitätsbereich. Als Besonderheiten eines Stabes einer Truppenschule seien hier nur der Sprachmittlerdienst sowie eine wechselnde Anzahl ausländischer Verbindungsoffiziere aufgeführt. Zeitweilig gehörte auch der „Truppenfachlehrerstab“ zum Schulstab.

Nichts geht ohne den Unterstützungsbereich. Einstmals deutlich über Bataillonsstärke die Personal- und Materialausstattung betreffend, leisten die Angehörigen des Bereichs Unterstützung in allen Bereichen der Truppenschule ihren Dienst. Noch in den 1990er Jahren verfügte die „Ausbildungsunterstützung“ über einen Personalkörper von rund 600 Soldaten und zivilen Mitarbeitern, die u.a. einen Fuhrpark von rund 400 Fahrzeugen und Hauptwaffensystemen zu betreuen hatten. In den Werkstätten der Artillerieschule wurden bis zu 45 Lehrlinge gleichzeitig ausgebildet. Wesentliche Bereiche waren bzw. sind neben der Führungsgruppe die Materialverwaltung, -bewirtschaftung, Materialerhalt, das Fachmedienzentrum sowie das Stabsquartier.

 


 

Von ihrer Aufstellung bis 2013 verfügte die Artillerieschule über ein eigenes Organisationselement zur Weiterentwicklung der Truppengattung. Aufgestellt als Spezialstab ATP (Auswertung, Technik, Prüfungen), später Spezialstab ATV (Auswertung, Truppenversuche, Vorschriften), zuletzt Gruppe/Bereich Weiterentwicklung mit u.a. folgenden Arbeitsfeldern: Konzeption, Grundlagen, Dienstvorschriften, Ausrüstung, Ausbildung, Organisation, GeoInfoWesen etc. Noch vor 10 Jahren dienten 75 Soldaten und 4 Zivilbeschäftigte bei „WE“. Die umfangreichen Aufgaben des ehemaligen Bereichs Weiterentwicklung werden heute durch das Amt für Heeresentwicklung in Köln wahrgenommen. Hier vor Ort ist nach Außerdienststellung des Bereichs noch das ehemalige Dezernat 4, Softwarepflege und Änderung, disloziert.

Nicht unerwähnt bleiben sollen einige Organisationselemente der Artillerieschule, die bereits außer Dienst gestellt wurden bzw. nach Einnahme der Zielstruktur nicht mehr Teil des Ausbildungsbereichs sein werden: Offizieranwärterbataillon Idar-Oberstein, Rekrutenkompanie 3, Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung Betreuungsstelle, Inspektion Allgemeine Grundausbildung sowie die Inspektion Sprachausbildung Offizieranwärter/das Dezernat S8 des Bundessprachenamtes. Über Jahrzehnte war die Artillerieschule auch Ausbildungsstätte der Topographietruppe. Auch als diese aus der Artillerietruppe ausgegliedert wurde und als eigenständige Truppengattung den „Führungsunterstützungstruppen“ zugeordnet wurden, blieben die Topographen zunächst in Idar-Oberstein. Eine Topographielehrbatterie unterstützte den Lehrbetrieb darüber hinaus im praktischen Ausbildungsbetrieb. Im Jahr 2002 endete die Geschichte der eigenständigen Truppengattung Topographietruppe. Sie ist nun Teil des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr und zur Streitkräftebasis zugehörig.

Ein Versuch, die einzelnen Umgliederungen und Strukturen der Artillerieschule im Laufe der vergangenen 58 Jahre nachzuvollziehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Um den jüngeren Leserinnen und Lesern aber einen Eindruck vom einstmaligen Umfang des Lehrbetriebes zu vermitteln, genügt es, die Zeit um dreißig Jahre zurückzudrehen, also in die 1980er Jahre, kurz vor Einnahme der „Artilleriestruktur 85“, die der „Heeresstruktur 4“ folgte. Die Artillerietruppe umfasste zu dieser Zeit 12 Regimenter, 83 Bataillone sowie 14 selbständige Batterien. In der Truppengattung, ausgestattet u.a. mit ca. 1100 Geschützen und 400 Raketenwerfern, dienten rund 42.000 Soldaten. Der Bereich Lehre/Ausbildung (heutiger Begriff) der Artillerieschule gliederte sich in 4 Lehrgruppen mit 16 Inspektionen und 50(!) Hörsälen und Ausbildungszügen. Zählt man zum aufgeführten Lehrbetrieb noch die Übungstätigkeit der Lehrtruppe (ArtLehrRgt 5 und unterstellte Verbände und Einheiten) sowie der ständig in Baumholder/Idar-Oberstein stationierten U.S. Panzerbrigade hinzu, kann jedermann nachvollziehen, dass in der Region nahezu rund um die Uhr Ausbildungsbetrieb herrschte.

Selbstverständlich wurden und werden an einer der bedeutendsten Ausbildungseinrichtung des Heeres vielfältige Verbindungen im In- und Ausland gepflegt. Verbindungsoffiziere aus den USA, Großbritannien und Frankreich waren noch bis vor einigen Jahren an der Artillerieschule eingesetzt. (Die von ihnen ausgerichteten „Blau-Weiß-Rot-Empfänge“ sind Legende.) Heute sind Verbindungsoffizier und Ausbildungsinspektion der Niederländischen Artillerie in Idar-Oberstein beheimatet.

Einige dieser besonderen Beziehungen wurden durch Patenschaften bekräftigt. Seit 20 Jahren besteht eine Patenschaft zur französischen Artillerieschule in Draguignan. Nicht zu vergessen unsere amerikanischen Nachbarn. Eine Patenschaft zur U.S. Military Community Baumholder wurde 1974 geschlossen. Am 12.06.1988 wurde das besonders enge Verhältnis zwischen Garnisonsstadt und Artillerieschule durch die Übernahme einer Patenschaft gekrönt.

 IO a 2


Wie wird es weitergehen?

Zum 01.07.2015 wurde die Artillerieschule in den

Ausbildungsbereich

Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung/Indirektes Feuer

umgegliedert und dem Ausbildungszentrum Munster unterstellt. Formal endete damit die Geschichte eigenständiger Artillerieschulen in Deutschland nach knapp 150 Jahren. Tatsächlich erfährt der unvermindert weiterlaufende Ausbildungsbetrieb eine Neuausrichtung. Mit der Übernahme der Verantwortung für die Mörserausbildung durch die Artillerieschule wurden bereits die Steilfeuerkomponenten an einer Ausbildungseinrichtung zusammengeführt. Mit Hilfe modernster Ausbildungs- und Simulationstechnik soll Idar-Oberstein zu einem

Zentrum streitkräftegemeinsamer Feuerunterstützung

ausgebaut werden. In der Zentralen Ausbildung STF wird die Zusammenarbeit mit anderen TSK im Ausbildungsbetrieb - auch auf internationaler Ebene – seit Jahren praktiziert (und optimiert). Einmal mehr fällt der Truppengattung an entscheidender Stelle eine Vorreiterrolle zu.

 Darüber hinaus bleibt der Ausbildungsbereich das "Mutterhaus" für unsere Truppengattung. Dieses bietet auch Raum für die Traditionspflege der Artillerie, die in Europa auf eine über 700-jährige Geschichte zurückblicken kann. Bereits jetzt sind an den unterschiedlichsten Orten in Klotzberg- und Rilchenberg-Kaserne Traditionsstätten zu finden. So z.B. die Wappenwand der deutschen Artillerie, der Traditionsraum des ArtLehrRgt 5 und unterstellter Verbände, der Fahnensaal mit den Truppenfahnen aufgelöster Artillerieverbände oder die Lehrsammlung Artillerie.

Einen wichtigen Beitrag zur Traditionspflege leistet seit über 40 Jahren die Gesellschaft für Artilleriekunde e.V. an der Artillerieschule. Sie führt mit ihrer Bibliothek das Archiv der Truppengattung und bietet Ausstellungen zu unterschiedlichsten Themenbereichen der Geschichte der Artillerietruppe und der Garnisonsgeschichte an.

 


 

 Quellen:

Unterlagen der Gesellschaft für Artilleriekunde e.V. dabei Standortbroschüren und Chroniken in I.-O. stationierter Verbände

  • H.J. Krug –  25 Jahre Artillerie der Bundeswehr
  • W. Fischer – Die Artillerie der Bundeswehr 1980 – 2009
  • H.-J. Zurek – Chronik der Artillerieschule der Bundeswehr
  • Chronik VKK 413 (ein besonderer Dank an StFw a.D. Hofmeister!)
  • usarmygermany.com
  • Stadtarchiv Idar-Oberstein
  • E. Mais – Ende und Anfang 1945
  • E. Mais – Idar-Oberstein im Dritten Reich
  • E. Mais – Gedenkbuch für die Gefallenen und Vermissten der Stadt Idar-Oberstein im Zweiten Weltkrieg 1939 - 1945
  • lexikon-der-wehrmacht.de
  • G. Mörsen – Die Geschichte der Klotzbergkaserne
  • A. Conradt – Kasernenanlagen in Idar-Oberstein, TrÜbPl Baumholder
  • Wikipedia


Anmelden

Copyright © 2015. All Rights Reserved.